Habe ich gewulfft?

“Wulffen” ist eine dieser Wortneuschöpfungen, die wir Medienleute gerne erschaffen, um irgendetwas griffiger und kürzer zu machen (Jeder Anschlag muss (müsste?) bezahlt werden). In diesem Fall ist wahlweise das Verschleiern der Wahrheit das Anrufbeantworter-Volllabern oder die Vorteilsnahme im Amt gemeint. Im Falle von Christian Wulff also die Annahme von Rabatten und Geschenken, die er während seiner verschiedenen politische Stationen angenommen hatte – ohne darüber nachzudenken (und vor allem ohne darüber zu reden), dass das vielleicht seine Objektivität und seine Unabhängigkeit beeinflussen könnte.

Seit Wulff nicht mehr im Amt ist, stehen wir plötzlich alle selbst unter Wulffen-Verdacht. Es geht um die Presserabatte, die jahre- und jahrzehntelang überall lockten. Urlaubsflug? Gab es beim richtigen Anbieter für Journalisten billiger. Neues Auto? Gab es beim richtigen Anbieter für Journalisten billiger. Eintritt zur neuesten Ausstellung, zum schicksten Ausflugsziel, zum angesagtesten Konzert oder zum Fußballspiel des Lieblingsverein? Gab es beim richtigen Anbieter für Journalisten billiger oder sogar umsonst. Damit ist jetzt Schluss. Erst die Deutsche Bahn, dann Air Berlin und die Telekom verkündeten, dass Presserabatte nicht mehr zeitgemäß seien und man künftig darauf verzichten werde.

Unter Kollegen trat das eine Diskussion los, in der sich schnell zwei Lager bildeten: Die einen, die erleichtert aufseufzten ob der Entwicklungen, weil sie schon immer fanden, dass Presserabatte sich nicht mit dem öffentlichen Auftrag von Journalisten, ihrem Anspruch an Wahrhaftigkeit und Unbeeinflussbarkeit, vereinbaren lassen. Und auf der anderen Seite standen jene, die die Rabatte verteidigten, weil sie für die heute meist chronisch unterbezahlten freien (aber teils auch festangestellten) Kollegen die einzige Möglichkeit seien, finanziell über die Runden zu kommen. Presserabatte als eine Art Sozialschein, sozusagen.

Ich glaube, leider ist es nicht so einfach. Das ganze Desaster fängt doch schon bei der Definition an. Was ist denn ein Presserabatt? Wenn man es ganz streng nehmen würde, wäre auch die Theaterkarte, die der Kritiker der Lokalzeitung vom Theater kostenlos bekommt, ein Rabatt. Um Unabhängigkeit zu garantieren, müsste die Zeitung die Karte für ihren Mitarbeiter kaufen. Macht aber kein Mensch, und bisher hat sich auch noch kein mir bekannter Kritiker davon abhalten lassen, ein Stück zu verreißen, nur weil es die Karte umsonst gab.

Gibt es also “gute” und “schlechte” Presserabatte?
Sind die guten, die, die man nutzt, um seine Arbeit machen zu können, tolerabel, während die schlechten, also jene, bei denen man als Privatperson und in der Freizeit von diesen Rabatten profitiert, Teufelszeug? Oder zählen wir die Eintritsskarten zu Veranstaltungen wie Konzerten, Fußballspielen, Ausstellungen oder Theatervorstellungen gar nicht zu Presserabatten, sondern bündeln wir die unter dem Ettikett “Freier Zugang zur Information für Journalisten” aus den Landespressegesetzen?

Wenn das so ist, was ist dann mit Rabatten auf Equipement? Gerade freie Journalisten, die nicht von einem Arbeitgeber ausgestattet werden, verlockt vielleicht die Kameraausrüstung oder der Laptop, die es mit Presserabatt zwischen 5 und 15 Prozent billiger gibt. Sind das nicht auch Hilfsmittel, um überhaupt arbeiten zu können? Ist es dann auch legitim, solche Rabatte anzunehmen? Sind es überhaupt Rabatte?

Wenn sie es sind, und wenn sie zu den bösen Rabatten gehören – zu jenen, deren Nutzung uns zu wulffern macht, dann habe ich auch gewulfft. Zweimal. Beim ersten Mal war ich Anfang 20, Studentin, Praktikantin, freie Minijobberin, und was soll ich sagen: Ich war jung und brauchte das G…. Fünf Monate freie Mitarbeit hatte es mich gekostet, mir mühsam die erste digitale Spiegelreflexkamera vom Munde abzusparen. Jede Kröte, die sich sparen ließ, musste gespart werden. Und so habe ich schließlich eine Kamera gekauft, die ich mit 15 Prozent Nachlass bekam. Einfach weil die Bestellerin Journalistin war. Natürlich, ich hätte auch einfach noch einen 6. Monat sparen und sie mir dann zum vollen Preis leisten können. Aber erstens war Geduld schon damals nicht meine Stärke und zweitens sah ich in meinem Vorgehen nichts ehrenrühriges. Das zweite Mal war die Journalisten-Bahncard, die diese Diskussion erst losgetreten hat. Auch die ist vor allem für dienstliche Fahrten, jene im DJV, angeschafft worden und – soviel zu Transparenz und Offenheit – auch vom Verband bezahlt worden.

Meine Regel zu diesem Thema waren von Anfang an ziemlich einfach: Aus dem Beruf keinen Nutzen fürs Private ziehen. Ich hatte Lust auf einen Besuch auf dem Baumkronenpfad, musste oder wollte aber nicht darüber berichten? Dann habe ich natürlich voll bezahlt. Ich brauchte eine vernünftige Digitalkamera, ohne die ich vom Lokalblatt keine Aufträge bekommen hätte? Warum nicht jede Chance zum Sparen nutzen? Weder bei Kamera noch bei Bahncard sah ich mich im Konflikt, obwohl ich mit erster natürlich auch Familienfotos gemacht und mit letzterer selbstredend auch mal privat gefahren bin.

Heute bin ich rat-, plan- und ein bisschen meinungslos, was vor allem daran liegt, dass mir nicht so recht klar ist, wie man Presserabatte nun definiert, wo man die Grenzen zieht zwischen notwendiger Arbeitsunterstützung und beeinflussendem Rabatt. Sicher, nach Kamera und Bahncard habe ich nie wieder einen Rabatt genutzt. Aber liegt dem wirklich mein berufliches Ehrgefühl zugrunde oder nicht viel mehr die Tatsache, dass sich einfach kein gutes Angebot mehr ergeben hat, wenn ich eines brauchte? Daran, dass die technische Ausstattung heute mit den normalen Ladenrabatten nach dem Augen-Klimpern-Lächeln-und-Verhandlen-Programm oft viel billiger zu huaben ist als mit jedem Presserabatt vom Händler?

Ich wünschte, ich könnte sagen, ich hätte mich eindeutig dagegen entschieden, Rabatte anzunehmen. Am besten aller Art, um mich gar nicht erst in Definitionsdiskussionen zu verstricken. Ob mich diese beiten Rabatte im Zweifel – also bei einer Berichterstattung über das jeweilige Unternehmen – wirklich korrumpieren würden, kann ich nicht sagen. Aber ich kann es eben auch nicht 100-prozentig ausschließen, und das allein ist schon Grund genug, künftig keine Rabatte mehr anzunehmen, die es nur gibt, weil ich Journalistin bin. Paybackpunkte sammeln, sollte doch unschädlich sein (ja ja, bis auf die Sache mit dem gläsernen Kunden, aber hey, ich bin bei Facebook und bei google angemeldet…).

Für die Vergangenheit bleibt mir nur wie vielen Kollegen die reuige Einsicht: Hin und wieder mal gründlich vor der eigenen Tür gekehrt, hätte verhindert, dass man vor lauter “Haben-wir-schon-immer-so-gemacht”-Staub den richtigen Weg nicht mehr sieht.

Deshalb also: Ja, ich habe gewulfft, aber ich tue es nicht wieder. Denn: Als Freie brauche ich zwar immer noch das Geld, bin aber nicht mehr so jung, um die Unerfahrenheit im Beruf als Entschuldigung ins Feld zu führen.

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Reisefieber

Vier Jahre. Seit mehr als vier Jahren lebe ich jetzt schon am gleichen Ort. Die gleiche Arbeit (mehr oder weniger), die gleichen Menschen. Ich spüre das Kribbeln. Das kam früher schon nach zwei bis drei Jahren: Das Kribbeln, das das Reisefieber begleitet. Die Sehnsucht nach neuen Abenteuern, fremden Orten, neuen Erfahrungen. Aber das Kribbeln hat sich verändert. Heute drängt es mich nicht mehr dazu, gleich alle Zelte abzubrechen und einen ganz neuen Lebensmittelpunkt zu suchen. Heute fordert es nur noch, nicht bequem zu werden und nur noch um den eigenene Kosmos zu kreiseln. Es fordert, ab und zu zu reisen.

Als DJV-Landesvorsitzende lässt sich dieses Fieber leicht befriedigen – un manchmal häufiger als mir lieb ist. Es ist erstaunlich, welchen Unterschied schon wenige Kilometer machen können. Ich habe festgesetellt, dass es keine fremden Länder sein müssen, erst Recht nicht Übersee oder Exotik, manchmal reicht schon der Gang durch eine fremde deutsche Stadt, um über den berühmten Tellerrand zu blicken.

Trotzdem: Schottland, Indien und die Malediven stehen nach wie vor ganz oben auf meiner Reiseliste. Da möchte ich irgendwann mal hin. Aber bevor es soweit ist, lautet der Plan so viel wie möglich von Kontinentaleuropa sehen. Alle Hauptstädte zum Beispiel. Mal sehen, wie und wann sich dieser Plan verwirklichen lässt. Und nach jeder erfolgreichen Etappe kommt auf die Karte eine neue Nadel (Danke an sinnvolle Facebook-Applikationen wie diese, die mir jetzt zeigt, wo ich überall schon gewesen bin, auch wenn ich es zu schätzen wüsste, wenn man die eingebundene Karte so groß zeigen könnte, dass mehr als nur die Kontinente zu erkennen sind):

Übrigens, Vorschläge für Orte, an die ich unbedingt mal reisen muss (vor allem auch in Deutschland) nehme ich gerne entgegen.

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Erfinder gesucht

Ich wäre gerne Daniel Düsentrieb. Ich wäre gerne ein Erfinder, der nur für sich selbst tüffelt, nicht für die Forschungsabteilungen großer Firmen. Ich würde Dinge erfinden, die man wirklich braucht, aber nur solche, die auch Spaß machen. Schlaf zum essen zum Beispiel. Wäre das nicht eine Wucht? Man isst tafelweise leckere Schokolade und statt immer dicker, wird man nur wacher – und zwar auf eine gesunde Weise, als hätte man wirklich geschlafen, nicht das ungesunde Energydrink- oder Koffeintabelettenwach.

Oder ich würde einen Textegenerator erfinden – einen Roboter, der mein Hirn anzapfen und aus meinen wirren Gedanken handwerklich gute, stilistisch runde und kreative Geschichten schreibt, indem er mir die Schultern massiert – und danach Rechtschreibkorrektur und fact checking gleich noch mit erledigt.

Dummerweise war ich in Chemie schon immer eine Niete, genauso wie in Physik, Mathematik, nahezu allen handwerklichen Disziplinen und mein technisches Verständnis reicht gerade so weit, dass ich verstehe, wie eine Fotoblende funktioniert. Denkbar schlechteste Voraussetzungen also, um diese Wünsche zu realisieren. Aber vielleicht liest das ja ein Daniel Düsentrieb? Als Dankeschön für Schlaf zum essen könnte ich eine selbst gehäkelte Handytasche anbieten – oder einen mir mühsam abgerungenen ersten Satz für die Pressemitteilung, mit der diese bahnbrechende Erfindung bekannt gemacht würde.

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Wenn das leibliche Wohl in Reimform das Tanzbein schwingt

Das war eine lange Blogpause, aber ich habe sie gut genutzt. Ich habe gesammelt. Pressemitteilungsauswüchse gesammelt. Ich habe die große Freude jede Woche bis zu 190 Zeitungszeilen á 30 Anschläge mit Wochenend-Tipps füllen zu dürfen. Dafür lese ich also jeden Mittwochmittag Meldungen der Kollegen aus den Lokalredaktionen (im besten Fall) oder Pressemitteilungen (im lustigsten bis grausigsten Fall).

 

Dass bei jeder Karnickel-, Hühner- und Taubenschau, beim Feuerwehr-, Sport- oder Knutfest, bei Kirmes, Fasching und Pfingstfeiern für das leibliche Wohl gesorgt ist und ein buntes Bühnenprogramm geboten wird, daran habe ich mich längst gewöhnt. Auch über die “tolle Stimmung”, die die Kapelle verbreitet, und das Tanzbein, das die Gäste schwingen können, kann ich hinweg lesen.

 

Wenn ich aber so etwas bekomme, bleibe ich sprach- und ratlos zurück:

“Liebes Theaterpublikum,
ich tanze um die Welt herum,
freu’ mich ein zweites Mal zu kommen.
Doch werd’ ich von Dir angenommen?
Was braucht es, um dich anzulocken?
Muss ich mit einem Striptease schocken
oder gar einen Kopfstand wagen
und Schaum mit beiden Ohren schlagen?
Wirkt öffentliches Urinieren
und Presseleute attackieren?
Hilft mir im Suff ein Schlagabtausch?
Ein Sexskandal? Ein Drogenrausch?
Raicht’s nicht, mit Herz zu musizieren,
mit Witz und Können zu brillieren?
Sie kennen mich nicht, meine Dame?
Gestatten, Tango ist mein Name.
Ich bin ein Körper mit vier Beinen,
die sich mal trennen, mal vereinen,
vier Hände, die sich heiß berühren,
zwei Hintern, die sich amüsieren.
Mehr Infos gibt’s bei www.
Stan minus Meus punkt de.
Der Kartenvorverkauf? Wo schon?
In der Touristinformation!”

 

Diese “Pressemitteilung” von Barbara Bürger schickte mir das Theater Hildburghausen von ein paar Wochen. Ein paar einleitende Worte waren auch dabei, allerdings keine, die mir erklärt hätten, worum es denn nun wirklich geht bei diesem Termin.

 

Zugegeben, dies ist ein Einzelfall, und dazu einer, der, obwohl er alle journalistischen Regeln in den Wind schießt, selbst jetzt nach Wochen noch lustig und charmant ist. Doch auch lustig und charmant nervt irgendwann, denn in 190 Zeilen passen fast 20 Wochenend-Tipps. Wenn ich die alle nachrecherchieren muss, weil ihre Ankündigungen zwar lieb geschrieben sind, aber weder das Wo noch das Wann, Wer oder Was erschöpfend beantworten, verbringe ich nur mit den Tipps einen kompletten Arbeitstag. Das, liebe Medienverantwortlichen aller Vereine, Organisationen, Interessenverbände, Kultureinrichtungen, Stadt- und Gemeindeverwaltungen und Partyveranstalter, ist NICHT LUSTIG!

 

Deshalb hier eine kleine Lektion. Wenn Sie Ihre Pressemitteilungen künftig nach den Regeln der nächsten sieben Zeilen schreiben, werden wir gut miteinander auskommen: Beantworten Sie in den ersten paar Sätzen Ihrer Pressemitteilungen bitte einfach und ausschließlich die W-Fragen (Wer hat was wann wo wie warum getan und woher kommen diese Informationen). Diese Fragen, die die Grundlage jeder Art von Journalistenausbildung sind oder sein sollten, sagen mir alles, was ich brauche, um zügig zu arbeiten. Geben Sie dann noch eine Telefonnummer an, unter der Sie auch wirklich zu erreichen sind, wenn ich eine Nachfrage habe, schreibe ich Ihnen irgendwann sogar Weihnachtskarten – gerne auch in Reimform, wenn Sie wollen.

 

Nach diesem komprimierten Informationsabsatz können Sie dann übrigens gerne wieder von den Tanzbeinen, dem bunten Bühnenprogramm, dem leiblichen Wohl und der tollen Stimmung reden – von mir aus auch in Versen. Und wenn ich dann plötzlich viel mehr Zeit habe, weil das Schreiben der Wochenendtipps nun so schnell geht, lese und amüsiere ich mich gerne wieder über “Pressemitteilungen” wie oben genannte, in der übrigens ein Tangoabend angekündigt wurde. Das allerdings verriet mir erst ein Besuch auf “www. Stan minus Meus punkt de.”

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Von Störern lernen

Wäre es nicht so nervig, würde ich es lustig finden: Eine ganz normale Sitzung eines durchschnittlichen Interessenverbandes (klingt geheimnisvoller, um welchen es geht, verrate ich gerne auf Nachfrage unter vier Augen/Händen, wenn irgendjemand hier wirklich noch ahnungslos ist): Wie immer diskutiert man über irgendwelche Anträge und Einwürfe eines Mitgliedes, von dem manche sagen, er sei gar kein Mitglied, weil er seinen Pflichten nicht nachkäme. Dieser Mensch jedenfalls hat jede Menge Spaß daran, den Fortgang jeder Sitzung aufzuhalten, Personen, Handlungen und Strukturen in Frage zu stellen und mit Klagen um sich zu werfen. Er ist anstrengend, aber er sorgt auch zuverlässig für Reaktionen, für die sich erwachsene, vernunftbegabte Menschen eigentlich zu schade sein sollten.

 

So auch diesmal: Er redet salbungsvoll Blödsinn. Die sinnvollste Reaktion: Ignorieren und konsequent weiter in der Sache, und zwar ohne jeden emotionalen Unterton. Die Reaktion der Führungsebene des Verbandes: Beleidigte Spitzen gegen den Störer. Der reibt sich insgeheim die Hände und wirkt wie einer dieser Comichelden, die vom Blitz getroffen werden und danach nicht schwankt, sondern mit neuen (Super-)Kräften da steht. In unserem Fall scheint jeder Riss in der Professionalität und der Sachlichkeit des Vorstandes sein persönlicher Blitzschlag zu sein. Diese Erkenntnis ist im Gremium auch bekannt. Geholfen hat sie aber nicht.

 

Es ist mir ein Rätsel. Eigentlich ist es doch ganz einfach: An dem, was er sagt, ist nicht viel Faktisches. Würde man sich darauf konzentrieren, und den Rest einfach ignorieren, könnte man enorm Zeit und Nerven sparen, zugleich Souveränität beweisen und das Rumpelstilzchen aus dem Gewitter und damit seiner Kraftquelle nehmen. Bleibt zu hoffen, dass ich das noch erleben darf.

 

Bis dahin sollten wir vielleicht von den Stinkstiefeln, Besserwissern und Daueroppositionellen dieser Welt lernen: Uns häufiger mal in den Blitz zu stellen, kann ebenso hilfreich sein, wie sich hin und wieder so in seine „Mission“ reinzusteigern, dass der Eifer Kraft und Durchhaltevermögen beflügelt.

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Die unendliche Geschichte des Ratgeber-Telefons

Mindestens drei Mal pro Woche muss ich mich zügeln, bleibe nett und höflich, obwohl ich am liebsten jemanden zusammenschlagen würde. Eine Stunde lang bin ich dann die Kummerkasten-Tasten am Ratgeber-Telefon der Zeitung, für die ich viel arbeite. Eine Stunde voller Irrtümer, Leichtgläubigkeiten und Ungerechtigkeiten und das auch noch am frühen Morgen. Facebook hat sich als gutes Ventil erwiesen, dass die ausufernsten Zitate aufnimmt und mir damit ein Magengespür erspart. Aber weil immer wieder die gleichen Fragen kommen, hier ein für alle mal die Antworten (in der Hoffnung, dass ich dann morgens auch mal was anderes sagen kann):

1. Nein, niemand schenkt Ihnen Geld. Jedenfalls nicht ohne Gegenleistung und schon gar nicht, wenn Sie vorher nichts mit ihm oder seiner Firma zu tun hatten, an keinem Gewinnspiel teilgenommen und kein Los ausgefüllt haben. Es gibt keine Engel, Elfen oder Kobolde, die das für Sie tun. Flattern bunte “Sie haben gewonnen”-Briefe ins Haus müssen Sie damit nur eines machen: Sie in den Papiermüll donnern. Reagieren Sie nicht, denn wenn Sie antworten, reiben sich die Verantwortlichen die Hände, weil sie dann noch mehr Ihrer persönlichen Daten haben, mit denen Sie handeln können. Gehen Sie auch nicht auf das “großzügig” Angebot ein, sich mit einem hochmodernen, komfortablen Reisebus und in Begleitung einiger guter Freunde zur Gewinnübergabe kutschieren zu lassen. Vermutlich ist ihr Gewinn ein Kuli, den sie aber erst bekommen, wenn Sie die Rheumadecke für 300 Euro oder die Reise, die Sie anzahlen müssen, gekauft haben. Noch einmal: Niemand verschenkt Geld! Begraben Sie den Traum und legen Sie lieber ein Tagesgeldkonto an.

2. Nein, Sie können Waren, die Sie im Laden kaufen, nicht zwei Wochen lang umtauschen. Das geht nur bei sogenannten Haustürgeschäften. Die muss man zwar nicht zwingend an der Haustür abschließen (am Telefeon, übers Internet, den Fernseher oder per Katalog geht auch), aber wenn man sich die Ware vor dem Kauf ansehen, sie testen, fühlen, riechen, abmessen oder schmecken kann, ist es definitiv kein Haustürgeschäft mehr. Die Widerrufsfrist, also das Recht, Ware zwei Wochen ohne Begründung zurück zu geben, gibt es für Haustürgeschäfte nur deshalb, damit auch, wer sozusagen blind bestellt, die Ware testen, fühlen, riechen … na, Sie wissen schon. Also noch mal: Wenn der Händler nicht sehr kulant ist, gilt bei im Laden gekauften Dingen: Vertrag ist Vertrag. Einmal eingegangen ist bindend. Einzige Ausnahme: Die gekaufte Ware ist fehlerhaft. Was mich zu Punkt drei bringt.

3. Nein, Garantie ist kein Allheilmittel. Genau genommen ist die Garantier auf irgendein Gerät eine freiwillige Leistung der Hersteller, die Sie abgeben können oder auch nicht. Der Gesetzgeber schreibt dagegen die Gewährleistung vor, und auf die sollte man sich auch beziehen, wenn man einen mangelhaften Kauf reklamieren will. Und bitte gehen Sie dem Verkäufer nicht auf den Leim, der es sich einfach machen will: Gewährleistungsrechte sind gegenüber dem Händler geltend zu machen, nicht gegenüber dem Hersteller. Und der Händler kann die Pflicht zur Reparatur oder Ersatzlieferung also auch nicht einfach an den Hersteller abschieben. Übrigens, Gewährleistung gilt nur, wenn der Mangel schon bei Kauf vorhanden oder angelegt war (etwa durch einen Produktionsfehler oder schlechtes Material). Behauptet der Händler, das Teil sei durch falschen Gebrauch kaputt gegangen, kann es unschön werden, denn nach einem halben Jahr muss der Käufer beweisen, dass es nicht so ist. Nur in den ersten sechs Monaten ab Kauf ist der Händler in der Pflicht, seine Behauptung zu belegen.

4. Nein, Telefonverträge enden nicht automatisch, wenn jemand umzieht – oder stirbt. Das Sonderkündigungrecht bei Umzug hat der BGH gekippt und wenn der Vertragsnehmer stirbt, übernehmen automatisch die Erben den Vertrag und müssen ihn im Zweifel bis zum Ende der regulären Laufzeit bezahlen. Also bitte: Vor dem Telefonanbieterwechsel AGBs und alles Kleingedruckte auf Rechnungen, Verträgen und Angeboten lesen. Es sei denn natürlich, man weiß nicht wohin mit seinem Geld, dann kann man gerne zwei, drei oder hundert Verträge parallel laufen lassen. Und besonders streitsüchtige (oder arbeitslose Anwälte, die in Übung bleiben wollen), gilt diese Empfehlung hier auch nicht, denn mit Telefonanbietern kann man sich wunderbar, sehr lange und sehr intensiv streiten , ohne auch nur einen einzigen Schritt weiter zu kommen.

So viel vorerst zu den wichtigsten Kummerkasten-Empfehlungen, aber ich bin sicher, diese Serie ist noch lange nicht abgeschlossen. Vorschläge für weitere Folgen nehme ich gerne entgegen. Tbc

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Kein Politikjournalist – und stolz drauf!

Dass jeder Branchenfremde glaubt, mein Berufsalltag wäre das reine Honigschlecken, das nur aus lesen, quatschen und ein bisschen schreiben besteht – was überdies doch jeder Depp besser kann – daran habe ich mich gewöhnt. Das lächle ich einfach weg. Oder ich frage, bei besonders hartnäckigen Vertretern, ob sie auch glauben, die Fußball-Nationalmannschaft viel besser trainieren zu können als Herr Löw. Manchmal mache ich mir sogar die Mühe zu erklären, warum eben nicht jeder ein Journalist ist, der mit dem Duden umgehen und mehr als 20 Zeichen pro Minute orthografisch korrekt tippen kann.

Dass aber sogar manche Kollegen spöttisch lächeln, sobald sie erfahren, dass ich die Senioren-Seiten schreibe und die Ratgeber-Tante der Zeitung bin, das macht mich wirklich sauer. Erst recht, weil ich das gerne mache, gleichzeitig aber Politikberichterstattung (meist) gähnend langweilig finde. Dass darf man unter (Print-)Journalisten nur nicht laut sagen, wenn man ernst genommen werden will.

Ich mache “Wohlfühl-Journalismus”, so hat es einer meiner Lieblingskollegen (und das ist jetzt nicht ironisch gemeint) einmal genannt, und er hat recht. Ich schreibe Texte, von denen ich hoffe, dass die Menschen, die sie lesen, unterhalten, im besten Falle sogar fasziniert sind. Ich mag es, harmonische Geschichten zu erzählen und ich finde es erzählenswert, wenn eine von deutschlandweit nur noch acht Schirmmacherinnen seit Jahren einen kleinen Laden in Weimar betreibt, oder ein über 70-Jähriger wie ein junge Hüpfer an Geräten turnt und sich so über den Tod seiner Frau tröstet.

Doch das alles ist unter “Kollegen”, so scheint es oft, nicht viel Wert. Nur wer Skandale aufdeckt (oder herbeischreibt), wer kritisiert und insistiert, gilt manchen wirklich als Journalist. Genauer: Nur Politik und Wirtschaft gelten als wirklich journalistisch.

Das macht mich wütend, denn handwerklich unterscheidet sich meine Arbeit nicht von der eines Politikjournalisten. Auch ich suche ständig nach spannenden Themen, auch ich führe dafür Hintergrundgespräche, auch ich rede mit Interviewpartnern, auch ich frage kritisch nach, wenn mir etwas seltsam erscheint, und auch ich beantworte in meinen Texten die W-Fragen. Nur meine Inhalte unterscheiden sich. Ich habe mich für Senioren- und Verbraucherthemen, für Service, entschieden und für meist deutlich längere Erzählformen, aber mein Handwerk beherrsche ich trotzdem. Ist das nicht überraschend? (Das nun WAR ironisch gemeint.)

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100 Tage sind zu wenig

Wenn ich mich nicht verrechnet habe (was bei meinem Verhältnis zu Zahlen durchaus im Bereich des Möglichen, wenn nicht sogar des Wahrscheinlichen liegt), bin ich heute seit genau 170 Tagen DJV-Vorsitzende in Thüringen. Nur soviel: Nach 100 Tagen von irgendwem erste Ergebnisse in irgendwas zu erwarten, ist total bescheuert. Es hat Monate gedauert, erst mal die Formalia auf die Reihe zu bringen. Sitzungsvorsitz, Unterschriftberechtigung, Überblick über Finanzen, Tarifverhandlungen, die verschiedenen Verhandlungsgegenstände beim mdr, Vergütungsregeln und so weiter und so fort. Für alle, die darüber nachdenken als Landesvorsitzende zu kandidieren: Macht! Aber glaubt bloß nicht, dass allein eine langjährige Mitgliedschaft im Landesvorstand in irgendeiner Weise auf das Amt vorbereitet. Man muss alles neu lernen, sich die Arbeit neu aneignen und organisieren.

 

Aber: Der Aufwand lohnt sich. Allmählich komme ich meinen Themen näher, entwickle mit Vorstand, Gesamtvorstand und im Gespräch mit einigen Mitgliedern ein Konzept, wie der DJV Thüringen als Verband wieder präsenter und attraktiver werden kann. Die jungen Kollegen werden allmählich wach und entdecken im DJV einen tatsächlichen, persönlichen Nutzwert und sind damit auch bereit, eigenes Engagment einzubringen, um diesen Nutzwert für sich auszuschöpfen und zugleich für den Verband weiter auszubauen. Wir haben unsere Kommunikationsstruktur verbessern, sind mehr und interaktiver etwa auf Facebook unterwegs oder prüfen, wie man moderne Kommunikationsmittel wie Skype o.ä. für die Verbandsarbeit nutzen können.

 

Natürlich ist nicht alles himmelblau. Die Verhandlungen mit Arbeitgeber, ob nun wegen der Vergütungsregeln oder wegen der Tarifangleichung, sind mühselig und frustrierend – und nicht unbedingt mein größtes Talent. Aber eben deshalb arbeit in so einem Verband nicht nur eine Vorsitzende und es gibt eine Menge erfahrene Kollegen, die als Gewerkschafter über eine Menge Erfahrung und Leidenschaft verfügen.

 

Mein Fazit nach 170 Tagen im Amt: Es ist stressig, es ist aufreibend, die Veränderungen gehen viel langsamer voran als ich mir wünschte. Aber es ist auch befriedigend und motivierend. Für mich: Gute Wahl. Ich hoffe, für unsere Mitglieder auch.

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Namensschwester

Eigentlich befreunde ich mich auf Facebook ja nur mit Menschen, die ich auch offline schon kennengelernt habe, oder von denen ich zumindest sicher weiß, dass es sie a) wirklich gibt, sie b) nach aktuellem Wissensstand keine psychopathischen Massenmörder und c) auch keine Datenklau- oder Spam-Überschwemm-Pseudo-Identitäten sind. Aber manchmal lässt mich die Neugier auch meine eigenen Prinzipien über Bord werfen.

Die Neugier, die dafür sorgt, dass ich nie ohne Handy unterwegs bin und einen entgangenen Anruf nicht unbeantwortet lassen kann, weil ich dringend wissen will, wer mich erreichen und mir was sagen will – eben jene Neugier hat mich jetzt dazu gebracht, die Freundschaftsanfrage einer wildfremden Frau auf Facebook zu akzeptieren. Nun reißt mich diese Neugier aber nicht bei jeder Freundschaftsanfrage hinweg (siehe oben). Jede Menge Menschen, die ich nicht kenne, oder an die ich mich nicht erinnern kann, habe ich schon ignoriert. Doch diese Frau hat etwas, dass alle anderen nicht hatten: Einen faszinierenden Namen.

Sie heißt Anita Grasseli – und sie kommt nicht aus der Schweiz. Stattdessen lebt sie in Toliara. Diese Stadt musste ich erst mal googeln. Jetzt weiß ich, es ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und der Region Antsimo-Andrefana auf Madagaskar. Klima und Maleria verhinderten jahrhundertelang, dass sich Ausländer dort ansiedelten. Einzige Ausnahme: Piraten hatten sich dort häuslich eingenistet, was ich ziemlich cool finde, vor allem, wenn ich mir vergegenwärtige, wo ich herkomme. Da haben seit Jahrhunderten nur Rentner gesiedelt. Toliara ist heute ein wichtiger Handelshafen. Ich habe also eine quasi-Namensvetterin unter tropischer Sonne.

Das hat uns offenbar beide begeistert. Ziemlich schnell nämlich sind wir in Chat-Gespräch gekommen oder haben zumindest versucht, mehr über einander zu erfahren. Das war nicht ganz so leicht, wie es zunächst schien, denn die andere Anita spricht leider nach eigener Aussage nur bruchstückhaft englisch. Selbiges trifft auf mein Französisch zu, was wiederum sie sehr gut beherrscht. Mit unseren Muttersprachen haben wir gar nicht erst angefangen, denn ich musste auch in dieser Frage erst mal wieder googeln, um überhaupt eine Ahnung zu haben, welche Sprache man in Toliara spricht. Man spricht – auf ganz Madagaskar -  Malagasy.

Als Messe-Kellnerin habe ich gelernt, dass es gut ankommt (und das Trinkgeld steigert), wenn man die Gäste wenigstens mit einigen Worten in ihrer Landessprache ansprechen kann, also habe ich Wikipedia mal gefragt, wie Malagasy funktiert. Ich habe den Versuch, mir einen kurzen Satz zusammen zu stückeln, aufgegeben, nachdem ich DAS gelesen hatte:

“Die Sprache verfügt über fünf Vokal-Phoneme. Die Betonung liegt auf der vorletzten Silbe, es sei denn, das Wort endet auf ka, tra oder na. In diesem Fall wird es auf der drittletzten Silbe betont. Elision kommt bei unbetonten Silben oft vor. Die Morphologie ist ausschließlich konkatenativ („verkettend“), und am Verb können bis zu fünf grammatische Kategorien ausgedrückt werden. Im Malagasy gibt es kein Genus; der Plural wird nicht kodiert. Es gibt einen definiten, aber keinen indefiniten Artikel, das heißt, wenn kein Artikel vorkommt, hat die Nominalphrase indefinite Bedeutung. Das Malagasy kennt (wie viele austronesische Sprachen) eine Inklusiv-Exklusiv-Unterscheidung beim Personalpronomen für „wir“: isika (inklusiv), izahay (exklusiv).”

 

Die andere Anita fand das Miteinanderreden übrigens wohl ähnlich mühsam, denn nach unserem kurzen, reichlich anstrengenden Chat, halb auf französisch, halb auf englisch, hat sie sich auf eine andere Art der Kommunikation verlegt: Sie stupst mich an. Ich überlege nun, ob ich zurückstupsen und damit ein weiteres meiner Prinzipien über Bord werfen soll. Eigentlich halte ich stupsen und ähnlich infantile, für soziale Netzwerke offenbar typische Zuneigungsbezeugungen nämlich für reichlich albern und ignoriere sie in aller Regel konsequent. Aber nun … ich muss abwägen, ob ich das Stupsen blöd genug finde, um wieder französisch zu büffeln, denn ich würde gerne wissen, wie die Frau, die quasi meinen Namen trägt, in einem Land lebt, das gleichzeitig Paradies und Hölle ist, das mit traumhaften Sandstränden aufwarten kann, in dem aber nicht mal jeder zweite Einwohner Zugang zu sauberem Trinkwasser hat (Quelle: Wikipedia). Ich bin immer noch neugierig und plädiere für die Einführung einer Weltsprache!

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Die Wunschliste

Ich bin ein großer Listen-Fan. Ich habe gleich mehrere To-Do-Listen, Einkaufslisten, Freundeslisten in diversen sozialen Netzwerken, eine Adressliste, die immer mit in die Ferien reist, weil ich nur mit ihr weiß, wohin die Postkarten geschickt werden müssen, eine Zutatenliste, wenn ich große Menüs koche, gefühlte 3000 (in Worten: dreitausend) Finanzlisten… Und dann ist da noch die eine, die magische Liste. Die, die mir die liebste ist und gleichzeitig die frustrierendste: Meine Wunschliste. Eigentlich sind es zwei, aber wir konzentrieren uns heute mal auf die mit den materiellen Wünschen.

Die Wunschliste gibt es seit ein paar Monaten. Genauer gesagt, seit technische Spielereien und Innovationen mit einer Geschwindigkeit erfunden oder verbessert werden, dass ich gehirnwindungssolistisch nicht mehr mithalten kann. Kontomäßig übrigens auch nicht, jedenfalls nicht ad hoc, wenn diese Novitäten auf den Markt kommen. Ich habe also angefangen, eine Wunschliste zu schreiben. Das Ziel damals: Punkt für Punkt auf die Wünsche sparen und sie sich erfüllen. Das Problem: Klappt nicht. Das mit dem Sparen nicht und das mit dem Punkt für Punkt auch nicht. Herbert ist bisher der einzig erfüllte Wunsch der Liste und das hat nur dank Billig-Konditionen meines Handyanbieters funktioniert. (Für alle, die das hier noch nicht so kennen: Herbert ist mein iPhone)

Dummerweise ändern sich die Prioritäten dieser Wunschliste rasend schnell. So schnell, dass ich für Wunsch Nummer eins noch nicht annähernd genug Geld zusammen habe, da ist er leider nicht mehr Nummer eins. Die neue Nummer eins ist in der Regel aber nunmal deutlich teurer als die alte. Das ist der frustrierende Teil dieser Liste.

Es gibt aber auch einen sehr erbaulichen Teil: Durch das Umpriorisieren und Ergänzen der Liste neige ich auf einmal zu fast schon buddhistischer Gelassenheit, zumindest jedes zehnte Mal, das ich an die Liste denke. Plötzlich ist es kein Weltuntergang mehr, dass ich das iPad nicht gleich kaufen konnte. Im Gegenteil, inzwischen betrachte ich das als Heil und bin überzeugt davon, kein iPad zu wollen. Einen Tablet-PC will ich aber sehr wohl nach wie vor und zwar am liebsten sofort. Genauso wie einen neuen Fernseher oder einen ordentlichen Rechner, der sich beim Bilder bearbeiten nicht zehn Mal aufhängt.

Dazu lautet der Kommentar meiner dreitausend Finanzlisten aber bemerkenswert übereinstimmend: Du hast einen Knall! Dabei verdiene ich gar nicht soooo schlecht, obwohl ich freiberuflich und auch noch vorrangig bei Tageszeitungen arbeite. Trotzdem reicht es nach Abzug der fixen Kosten, der Rücklagen für eventuell anstehende Reparaturen oder notwendige Anschaffungen und der Raten fürs Bafög nicht mehr für die Wunschlisten-Wünsche.

Nun habe ich aber irgendwo gelesen, dass man seine Ziele nur deutlich genug visualisieren muss, um sie zu erreichen. In diesem Sinne visualisiere ich hier ab sofort meine Wunschliste. Und weil das mit Foto immer so eine Sache ist (urheberrecht und markentechnisch) und ich außerdem eine Frau der Worte bin, visualisiere ich verbalisierend. In unregelmäßigen Abständen wird die Liste ergänzt oder aktualisiert. So lautet sie mit Stand 18. Juli 2011:

  1. Tablet-PC
  2. Flachbild-Fernseher (unser aktueller hat noch eine Röhre und ist nur halb so groß wie mein Computer-Bildschirm)
  3. Neuen, schnellen, grafikoptimierten Rechner (oder großes Notebook?)
  4. Neues Fahrrad
  5. Urlaub mit Tauchschein
  6. neues Auto
  7. Werbegeschenke mit meinem Firmenlogo (sind viiiieeel teurer als man denkt!)
  8. ERGÄNZUNG: Geschirrspüler (nachdem wir dafür endlich einen Platz in unserer Küche gefunden haben)

Was mich auf eine Idee bringt: Vielleicht sollte ich anfangen, an Preisausschreiben teilzunehmen?

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